Gift oder nicht? Die Dosis macht’s!

himbeeren und bier

Im Frühsommer gab es eine Schreckensmeldung – Glyphosat im Bier! Die Stiftung Warentest hatte 20 alkoholfreie Biere getestet und in 18 davon Spuren des doch recht umstrittenen Pflanzenschutzmittels gefunden. Die Frage liegt nah: Werden wir nun alle sterben?

Spoiler-Alert: Die Antwortet lautet Ja. Aber nicht vom Glyphosat in Bier.

Paracelsus, here he comes

Denn das irgendwas irgendwo drin ist, sagt meistens noch gar nichts über die Folgen aus. Die große Frage ist: Wie viel? Das geht zurück auf den Godfather der Toxikologie, Paracelsus. Der hat um 1500 gelebt und war Arzt, Alchemist, Mystiker, Philosoph und Astrologe. Einen Fachidioten kann man ihn also nicht nennen.
Von Paracelsus ist vor allem ein Satz im kollektiven Gedächtnis geblieben: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“ (zu finden hier). Und eigentlich weiß das ja jedes Kind: In Maßen sind die meisten Stoffe harmlos und zeigen keine negative Wirkung. Unser Körper nimmt Stoff X auf, macht ein bisschen was mit ihm und scheidet ihn wieder aus. Ist allerdings mehr von Stoff X da, als wir verarbeiten können, kann das an verschiedenen Stellen zu Problemen führen – Überforderung eben. Und von Stoff zu Stoff ist es unterschiedlich, wann diese Überforderung eintritt. Dafür gibt es in der Toxikologie Dosis-Wirkungskurven. Bei geringer Dosis geringe Wirkung, wird die Dosis erhöht, erhöht sich die Wirkung.

Darüber hinaus unsere Analysemethoden immer besser. Das heißt, wir sind inzwischen in der Lage, immer geringere Konzentrationen von Substanzen aufzuspüren. Das ist super für die Forschung und die Sicherheit von Lebensmitteln, aber es heißt eben auch, dass fast überall alles gefunden werden kann.

Die Himbeere – der versteckte Feind?

Ein wunderbares Beispiel dafür ist auch die Himbeere. Eigentlich ein Superfood, zumindest in vielen Food- und Lifestyleblogs so angepriesen (Overnight-Cinnamon-Raspberry-Oats mit roasted Chiasamen-Topping saves the world). Aber Himbeeren enthalten auch eine Menge Ketone und Aldehyde, Alkohole und Säuren, die als giftig eingestuft werden. In hohen Dosen. Trotzdem würde niemand sich Sorgen machen, an Himbeervergiftung zu sterben, weil niemand diese Massen essen kann (zum Beispiel etwa 15 kg, um den Grenzwert für Himbeerketon zu erreichen).

Freispruch für’s Bier

Zurück zum Glyphosat: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für das Pflanzenschutzmittel einen Grenzwert festgelegt: Demnach kann man ohne negative Folgen 0.5 mg Glyphosat pro Kilo Körpergewicht pro Tag aufnehmen. Das wären bei mir zum Beispiel etwas unter 30 mg. In den am höchsten belasteten Bieren wurden ca. 30 µg Glyphosat pro Liter gefunden. MIKROGRAMM! Das ist ein tausendstes Milligramm. Ich müsste also fast 1000 Liter Bier trinken, um das bedenkliche Level zu erreichen. Das würde ich nicht mal schaffen, wenn ich in Bayern sozialisiert worden wäre.

 

Also: Der Tod ist ausausweichlich, aber Glyphosat im Bier ist da eher nicht der Auslöser. Eine Substanz, die in -nicht-alkoholfreiem Bier (doppelte Verneinung) in viel höheren Dosen vorhanden ist, ist das Ethanol. Und da gibt es inzwischen wirklich genug Studien, die es ganz sicher als Zellgift einstufen, in gar nicht mal so hoher Konzentration (die Seite kenn-dein-limit.de hat das ganz gut zusammengefasst).

 

 

 

 

 

 

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