Das Sonnenvitamin – supergesund durch Vitamin D?

Grau in Grau - hilft Vitamin D ?

Grau, grau, grau sind alle meine Farben… Zumindest, wenn ich momentan in den Himmel gucke. Kein Schnee, keine Sonne, nur dieses trübe, nasskalte Matschwetter. Als Nordlicht sind fifty shades of grey mir am Firmament zwar bekannt, aber besonders freudig bin ich auch nicht drüber. Und was in dieser trüben Zeit Hochkonjunktur hat, sind Vitamin-D Präparate – das Sonnenvitamin!

Vitamin D wurde in den letzten Jahren als wahres Gesundheitswunder gepusht. Was es nicht alles bewirken sollte – Krebs aufhalten, Knochen stärken, Immunsystem boosten, vor Diabetes schützen und so weiter. Warum eigentlich? Und was ist das überhaupt? Und was hat das mit Sonne zu tun?

 

Ein komplizierter Prozess – wie der Körper Vitamin D bekommt

Vitamin D ist eigentlich ein Sammelbegriff für verschiedene Stoffe, die in unserem Körper als Hormone wirken. Wir können sie mit der Nahrung aufnehmen, aber in den meisten Lebensmitteln steckt nicht besonders viel drin. Außer in fettem Fisch (Lachs, Makrele, Hering). Aber wir können Vitamin D auch selbst herstellen, aus einer Vorstufe von Cholesterin und … Licht. Das Licht arbeitet bei uns ähnlich wie bei Pflanzen – es stellt Energie zur Verfügung. Die Biosynthese von Vitamin Dzu vom 7-Dehydrocholesterol (der Cholesterinvorstufe) bis hin zum aktiven Calcitriol ist relativ kompliziert, mit verschiedenen Zwischenstufen und Umwandlungen, aber ich versuche das ganze mal kurz und knapp zusammenzufassen:

Das Prä-Cholesterin besteht aus einem Ringsytem, und dieses Ringsystem ist für unseren Körper eigentlich zu stabil, um es aufzubrechen, deshalb wird in das Cholesterin in die Haut transportiert. Wenn die Haut der Sonne ausgesetzt ist, gelangt UV-B Strahlung in die Zelle und diese UV-B-Strahlung hat so viel Energie, dass das Ringsystem zerhackstückelt wird. So kann sich ein neues Molekül bilden, das Vitamin D3 (siehe Bild).

Vitamin D3 wird zunächst ziemlich unkontrolliert gebildet. Ist Sonne da, ist auch Vitamin D3 da. Ein zu viel von Vitamin D3 kann aber auch giftig wirken, deshalb wird es zunächst in eine Speicherform überführt, die dann im Körper herumcruist bis sie gebraucht wird. Sind wir übrigens häufiger der Sonne ausgesetzt, braucht der Körper ein weiteres Schutzschild und bildet Melanin – wir werden braun und deshalb haben es die UV-B-Strahlen schwerer, an das Prächolesterin ranzukommen – wie klug unsere Zellen doch sind 😉.

 

Wundermittel Vitamin D?

Aber zurück zum Vitamin D. Wenn es aus der Speicherform wieder aktiviert wird, kann es als Hormon wirken und zum Beispiel die Kalziumaufnahme im Körper fördern – und damit die Knochenbildung. Das ist ohne Frage erstrebenswert. Allerdings wurde Vitamin D in den letzten Jahren als wahres Wundermittel gehandelt und entsprechend oft in Drogeriemärkten und auch Apotheken verkauft. Krebs, Alzheimer, Diabetes, es sollte gegen fast alles helfen. Entsprechend viel Forschung hat sich deshalb auch mit Vitamin D beschäftigt. Das Ding ist nur, dass sich viele dieser Studienergebnisse nicht reproduzieren ließen, oder die Effekte zu gering waren um wirklich als signifikant zu gelten. Einige Studienergebnisse zeigen leichte Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Versorgung und dem Immunsystem, andere zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Vitamin D-Status und verschiedenen Krankheiten, widersprechen sich aber oder die Effekte sind nur recht klein (unter anderem in diesen Reviews).

Ich habe ein paar dieser Studien gelesen. Viele beschäftigen sich gerade mit älteren Personen. Und hier kommen wir zu einem generellen Problem von Wissenschaft: Dem Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität. Hatten Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen zum Beispiel weniger Alzheimer, weil sie insgesamt gesünder leben, besser essen und mehr rausgehen? Dann haben sie auch einen höheren Vitamin D-Spiegel, der aber nichts mit ihrem Risiko für Demenz etc zu tun hat. Oder gehen sie mehr raus, haben deshalb mehr Vitamin D und das sorgt dann dafür, dass sie auch weniger krank werden? Wenn überhaupt – wie gesagt, signifikant sind die Ergebnisse meist nicht.

Das heißt nicht, dass Vitamin D keine Rolle bei diversen Erkrankungen spielen kann. Es ist einfach nur weiterhin offen, ob Vitamin D wirklich so eine Allroundwaffe ist. Unumstritten ist Vitamin D wichtig, damit unser Körper gut funktionieren kann, ein Mangel führt zu Osteoporose. Welche weiteren Eigenschaften das Molekül so hat, wissen wir noch nicht. Und wir haben eben so lange, graue Winter, in denen vor allem die UV-B Strahlung zu wünschen übrig lässt. Sollte man dann nicht ein bisschen nachhelfen? So vorsichtshalber?

 

Die Pille davor?

Eine Tablette eines Nahrungsergänzungsmittels enthält circa 1000 bis 2000 internationale Einheiten (IE) Vitamin D3. Empfohlen sind 200 bis 500 IE – je nachdem, welche Lebensmittelbehörde man so fragt, auch 4000 IE gelten noch als unbedenklich. Aber auch unser Körper kann bei einem Tag im Bikini am Strand ein Vielfaches dieser Menge herstellen, wir sterben also nicht sofort an einer Vitamin D-Flut. Der Unterschied ist nur, dass wir das selbstgebildete Vitamin D gut speichern können, was mit den isolierten Präparaten aus Nahrungsergänzungsmitteln geschieht, ist immer noch nicht klar. Wie bei den meisten Nahrungsergänzungmitteln übrigens. Mit viel draußen sein im Sommer und auch mal im Winter die Nase aus der Wohnung stecken, sollten unsere selbst gebildeten Vitamin D-Vorräte uns eigentlich gut über die kurzen Tage bringen.

Meiner Meinung nach sollten wir uns nicht mit Vitamin D-Pillen mal so zur Vorbeugung vollpumpen. Auch im Winter gibt es ein bisschen UV-B – wenig, aber nicht nichts. Und unser Lebensstil ist sowieso von viel zu viel drinnen herumsitzen gekennzeichnet. Sowohl Glasscheiben (=Fenster) als auch Sonnencreme stoppen die UV-B Strahlung. Auch Solariumsbesuche sind nicht so empfehlenswert, denn da wird vor allem mit UV-A-Strahlung gearbeitet. Wer sich also was Gutes tun will, sollte häufiger mal ab nach draußen. Im Sommer, aber auch im Winter. Das hilft nicht nur bei der Vitamin D-Produktion, sondern ist auch gut für Herz und Kreislauf und hebt die Laune. Selbst wenn es danach immer noch grau ist.

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